Einleitung

Die voranschreitende Digitalisierung in Deutschland transformiert in wachsendem Maße auch den Bildungssektor. Dies geschieht zum einen gegenständlich mittels intelligenter Bildungsnetze in formalen, informellen und non-formalen Bereichen des lebensbegleitenden Lernens, zum anderen als Bestandteil der Geschäftsentwicklung in Anwendungsfeldern intelligenter Vernetzung oder als Methode zur Personalentwicklung mit dem Ziel der Vermittlung agiler Inhalte zu Industrie 4.0, Smart Data oder Künstliche Intelligenz.

„Intelligente Vernetzung” steht für die Digitalisierung in den Infrastrukturbereichen Energie, Gesundheit, Verkehr, Bildung und Öffentliche Verwaltung. Durch die digitale Vernetzung und Nutzung innovativer IKT-Technologien wie M2M/IoT, Smart Data und Smart Wearables sowie horizontal verbindender Plattformen können Prozessoptimierungen, Produktivitätsfortschritte und Kosteneinsparungen erzielt und erhebliche Wachstumsimpulse gesetzt werden. Schulen und Hochschulen stellen die dafür benötigte Fachkräftebasis lang- und mittelfristig sicher. Weiterbildung ist ein wichtiges Thema, um die gesteckten Ziele kurzfristig zu erreichen. Stimuliert durch die rasante Entwicklung des Internets der Dinge, Dienste und Daten entstehen neue Formen digitaler Bildungsinhalte mit erweiterter Realität und Datenbrillen und es gilt, innovative Methoden des Lehrens und Lernens auf Basis von Datenanalytik in Echtzeit zu erproben. Dabei sind gesellschaftliche, rechtlich- regulatorische, ökonomische sowie prozessuale und technologische Aspekte zu betrachten, zu gestalten und bei Bedarf derart anzupassen, dass digitale Bildung in der Breite und für jedermann möglich wird.

Die Fokusgruppe „Intelligente Vernetzung“ des Nationalen IT-Gipfels (FG2) unterstützt mit ihrer branchenübergreifenden Expertise in der Plattform „Innovative Digitalisierung der Wirtschaft“ die Umsetzung und Weiterentwicklung der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Dabei berät und begleitet sie als hochrangiges Gremium insbesondere die Umsetzung der Strategie „Intelligente Vernetzung“ der Bundesregierung. Mit ihren Experten in zehn thematischen Untergruppen begleitet die FG2 die Entwicklung an der Nahtstelle von Politik und Wirtschaft und liefert seit Jahren wichtige Beiträge für die öffentliche Debatte 1. Zum IT-Gipfel 2015 wurde als Ergebnis eines branchenübergreifenen Stakeholder-Peer-Reviews mit dem „DIV-Report“ ein umfangreicher Bericht zum Status und Fortschritt der intelligenten Vernetzung in Deutschland vorgelegt 2 , der ein klares Lagebild zeichnet und konkrete Handlungsempfehlungen beinhaltet. Mit dem vorliegenden DIV-Report Spezial 2016 legen die Expertinnen und Experten der FG2 einen gemeinsamen Schwerpunktbericht zum diesjährigen Gipfelthema „Digitale Bildung“ vor. Die Fokusgruppe hat sich im unterjährigen Prozess in ihrer Expertengruppe Intelligente Bildungsnetze sowie in weiteren Expertengruppen ihrer Anwendungsfelder und Querschnittsthemen intensiv mit der Digitalisierung von Bildung und Qualifizierung beschäftigt. Sachstandsanalysen wurden durchgeführt,Herausforderungen benannt, Hemmnisse identifiziert und Handlungserfordernisse priorisiert. Gekennzeichnet waren diese Aktivitäten von transprofessionellem Dialog und einer interdisziplinären Zusammenarbeit.

Nach 2015 wird damit zum zweiten Mal eine umfassende Analyse intelligenter Bildungsnetze in Hochschulverbünden in Deutschland vorgelegt, erstmals ergänzt um die Dokumentation von Status und Fortschritt intelligenter Bildungsnetze in der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung. Grundlage beider Makroanalysen war die Betrachtung des Umsetzungsfortschritts bezüglich fünf definierter Zielbilder 3 auf der gesellschaftlichen, rechtlich-regulatorischen, ökonomischen, prozessualen und technischen Strategieebene. Darüber hinaus wurden 25 diesen Strategieebenen zugeordnete Zielbildbausteine auf der Mikroebene hochschulischer und beruflicher Bildung detailliert betrachtet.

Im direkten Vergleich der Digitalisierung hochschulischer und beruflicher Bildung wird deutlich: Es gibt erhebliche Unterschiede. Auch ist die berufliche Bildung hinsichtlich
der Digitalisierung überaus heterogen. Bei genauer Betrachtung stellt man fest: Hochschulen sind auch im zweiten Jahr der Analyse von einer umfassenden Implementierung intelligenter Bildungsnetze ein ganzes Stück entfernt. In Großunternehmen gelten vernetzte Bildungsangebote basierend auf dem Internet, digitalen Medien und Bildungstechnologien als bewährte Praxis. In Klein- und mittelständische Unternehmen hingegen findet E-Learning nur punktuell statt. Dies ist auch für berufsbildende Schulen festzustellen.

Durch die enge Zusammenarbeit von Bildungsexperten aus Hochschulen, Schulen, etablierten Unternehmen, Startups, Gewerkschaften sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Expertengruppe Intelligente Bildungsnetze steht die Einschätzung von Status und Fortschritt sowie der Erreichbarkeit der gesteckten Ziele intelligent vernetzter Bildung auf einer breiten gesellschaftlichen Basis. Als vertiefende Einzeldokumente zum Thema wurden zudem in den Expertengruppen der FG2 folgende Positionspapiere erstellt 4 :

  • Digitale Bildung und Intelligente Energienetze: Die Realisierung intelligenter Energienetze erfordert Fachkräfte mit neuen und fachübergreifenden Qualifikationen
  • Digitale Bildung und Intelligente Gesundheitsnetze: Empfehlungen zur Einbettung von Gesundheits-IT in die Aus- und Weiterbildungen von Heilberufen sowie Ausbildungsvorschläge zum Fachkräftemangel in der Health-IT-Industrie
  • Digitale Bildung und Smart Cities: Smarte Bildungsräume
  • Digitale Bildung und Smart Data: Analysieren lernen, Lernen analysieren

Branchenübergreifend wächst der Bedarf an qualifizierten Fachkräften für die Gestaltung der digitalen Transformation und intelligenten Vernetzung in Deutschland rasant. Nach Meinung der Expertinnen und Experten benötigt der Einsatz zeitgemäßer Digitalisierungstechnologien zur Bewältigung der Energiewende neuartig ausgebildete, interdisziplinäre Kompetenzträgerinnen und Kompetenzträger, welche die beiden bisher weitestgehend getrennten Branchen der IKT- und Energiewirtschaft vereinen. Auch die deutsche Health-IT-Industrie ist auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Schnittstelle von Informationstechnologie und Branchenkenntnissen des Gesundheitswesens angewiesen, will sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Von zukunftsweisender Bedeutung wird nach Meinung der Expertinnen und Experten auch die Emergenz von Querschnittsthemen wie Smart City/Smart Region und Smart Data mit intelligenten Bildungsnetzen sein. So sind in ersten Regionen in Deutschland bereits smarte Bildungsräume entstanden, die aufgrund des Zusammenwirkens von Stadt- und Raumentwicklung mit der Digitalisierung von Bildung und Qualifizierung neue Eigenschaften, neue Inhalte, neue Formen und neue Strukturen bei Bildungsanbietern entstehen lassen. Mit der Qualifizierung von Smart-Data-Fachkräften werden neue Wege in der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung beschritten, die auch in den nächsten Jahren die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland stärken werden.

Fazit: Die Digitalisierung hat die Bildung und Qualifizierung heute bereits grundlegender und nachhaltiger verändert als viele Gesetze und Verordnungen zuvor – weltweit und in besonderer Weise in Deutschland. Es ist an der Zeit, die Aufgaben des Staates hierbei gemeinsam mit Wirtschaft und Gesellschaft zu überdenken. Denn die Veränderung von Bildung und Qualifizierung durch die Digitalisierung wird auch in den nächsten Jahren rasant fortschreiten.

  1. Alle Informationen, Dokumente, Analysen und Empfehlungen der Fokusgruppe Intelligente Vernetzung stehen kostenlos im Internet zur Verfügung: www.deutschland-intelligent-vernetzt.org
  2. Siehe www.div-report.de für die Ergebnisse und Empfehlungen des ersten Stakeholder Peer Reviews „Deutschland intelligent vernetzt
  3. Siehe Ergebnisbericht 2013 Projektgruppe Intelligente Bildungsnetze: http://deutschland-intelligent-vernetzt.org/app/uploads/sites/4/2015/12/140513_AG2_UAGIN_Ergebnis_PG_Bildung_Ansicht.pdf
  4. Die ausführlichen Langfassungen der Positionspapiere „Digitale Bildung und Smart Cities“ und „Digitale Bildung und Smart Data“ stehen im Internet zur Verfügung: http://deutschland-intelligent-vernetzt.org/wp/downloads/